Editorial

von Max Grüntgens, Dominik Kasper, Katharina Thielen

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Frühjahr und die nunmehr siebte Ausgabe von Skriptum ist erschienen. Wie in den letzten Ausgaben kann sich der geneigte Leser auch diesmal wieder auf eine tour d’horizon durch die ganze Breite der Geschichts- und Kulturwissenschaften freuen. Die einzelnen Autoren zeigen einmal mehr wie zahlreich die möglichen Forschungsschwerpunkte und Entwicklungen innerhalb der Geschichte sind, indem so unterschiedliche Themen wie die digitale Visualiserungsbestrebungen in den Altertumswissenschaften oder die europäische Expansion in der Frühen Neuzeit fokussiert werden. An erste Stelle sei jedoch Hans-Werner Bartz im Besonderen und dem Team der Digitalen Akademie (DA)1) an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz,2) im Allgemeinen gedankt, mit deren Hilfe es uns möglich war, den Publikationsprozess durch erste Schritte mit TuStep weiter zu professionalisieren.3)

Den Anfang der neuen Ausgabe machen ein Team aus Dozenten und Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Dozenten Frank Bauer (Lehrstuhl für Informatik 9 (Graphische Datenverarbeitung)), Boris Dreyer (Professur für Alte Geschichte) und Günther Greiner (Lehrstuhl für Informatik 9 (Graphische Datenverarbeitung)) sowie die Studierenden Marvin Holdenried (Lehramtsstudent) und Bert Riffelmacher (Masterstudent Informatik) geben in unserer Rubrik Blick in die Historikerwerkstatt einen praxisnahen Einblick in eine mögliche Symbiose von Informatik und Altertumswissenschaften, indem sie Nutzen und Einsatz etablierter Methoden digitaler Visualisierungen auf Ausgrabungen in der Türkei (Metropolis, Ionien) besprechen. Die Autoren geben einen konzisen Einblick in die Arbeiten vor Ort, stellen mögliche Formen des Scannings vor und diskutieren die forschungsrelevanten Potentiale der 3D-Digitalisierungen sowie deren Auswirkungen auf die Lehre. Zudem wird ein kurzer Blick auf die im Entstehen befindliche epigraphische Fachdatenbank EDEN geworfen.4) Mit diesem Artikel kann Skriptum somit an eine ganze Reihe von Aufsätzen anknüpfen, welche sich im Spannungsfeld von digital humanities, digital history und spatial history5) bewegen, und damit an einen thematischen Schwerpunkt anknüpfen, der sich – wie im Rückblick ersichtlich – schon in der ersten Ausgabe herauszubilden begann.6)

Es folgt ein Essay über einen der bekanntesten Menschen des 20. Jahrhunderts, der sogar zu einer Art Archetypus des Wissenschaftlers wurde. Maik Hollinger bietet in seinem Aufsatz Einstein erlangt Weltruhm nicht nur eine vergleichende Rezeptionsgeschichte der allgemeinen Relativitätstheorie in Großbritannien und Deutschland 1919–1920 sondern sorgt dafür, dass in der 7. Ausgabe vom Skriptum zum ersten Mal ein Beitrag aus dem Feld der Geschichte der Naturwissenschaften erscheinen konnte. Ausgehend von der Sonnenfinsternis des Jahres 1919, zeichnet Hollinger die Rezeption der Allgemeinen Relativitätstheorie innerhalb der Wissenschaftsgemeinde und der Öffentlichkeit in Großbritannien und Deutschland nach.

Um die Menschen der Virginia Company of London und der Compagnie de la Nouvelle-France geht es David Hense, wenn er den Fokus auf zwei frühneuzeitliche Handelskompanien im Vergleich richtet.7) Es scheint zwar die Ansicht vorzuherrschen als sei das englische und französische Ausgreifen nach Nordamerika weitgehend erforscht, doch zeigt Hense auf, dass beide Länder in ihren Ambitionen in der Neuen Welt noch nie im Bezug auf ihre anfänglichen Kompanien verglichen worden sind. Er will diese Lücke schließen und setzt beide Kompanien miteinander in Beziehung und ordnet das Gesamtgeschehen in den historischen Kontext ein. Darüber hinaus findet ein Vergleich der Mitglieder der jeweiligen Kompanien statt, um aufzuzeigen, was an der jeweiligen Kompanie jeweils als ‚typisch‘ englisch respektive französisch gelten kann.

Jelena Menderetska nimmt die anhaltenden politischen Unruhen 2013/2014 in der Ukraine zum Anlass einer historischen Betrachtung und beschäftigt sich in ihrem Artikel Die Ukraine 1848–1918 mit der Zeit von den ersten politischen Strömungen bis zur Nationsbildung. Anfänglich führt sie eine allgemeine Begriffsdefinition anhand der einschlägigen Forschungsliteratur durch. Anschließend fragt sie nach der politischen und kulturellen Ausgangssituation einzelner Regionen sowie von Stadt und Land, zeichnet Entwicklungen und Entstehungsprozesse politischer Parteien – auch in ihrer Verbindung zum Ausland – nach und zeigt, inwieweit es zu erfolgreichen Versuchen einer ‚Nationsbildung‘ kam und kommen konnte. In einem Exkurs wird zudem auf das aktuelle ukrainische Geschichtsbild und die ‚erinnerungspolitischen‘ Tendenzen in Schulbüchern und Bildungssystem eingegangen.

Die Ausgabe schließt mit einer Rezension des opus magnum eines der Koryphäen der deutschen Geschichtstheorie und der Didaktik der Geschichte: Jörn Rüsens Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft. Matthias Mader bespricht pointiert dieses einschlägige Werk, setzt es in Bezug zu früheren Werken Rüsens und zum ‚Altmeister‘ Droysen und zieht im Gesamten ein positives Fazit. Doch lässt er auch Kritik nicht aus: Als zu kurz gegriffen erscheint ihm die Auseinandersetzung Rüsens mit den digitalen Neuerungen der Historikerzunft im Allgemeinen und dessen Umgang mit Narrativitätstheorien im Besonderen.

Wir wünschen unseren Lesern eine angenehme und ansprechende Lektüre.

Katharina Thielen, Dominik Kasper und Max Grüntgens

Fußnoten

  1. Siehe http://www.digitale-akademie.de/home.html (17.05.2014). »
  2. Siehe http://www.adwmainz.de/startseite.html (17.05.2014). »
  3. Siehe http://www.tustep.uni-tuebingen.de/ (17.05.2014). »
  4. Siehe http://wisski.cs.fau.de/eden/ (17.05.2014). »
  5. Zum Einstieg sei genannt: http://www.stanford.edu/group/spatialhistory/cgi-bin/site/index.php (17.05.2014). »
  6. Verwiesen sei auf einen Artikel in der ersten Ausgabe von Skriptum von Torsten Schrade: Epigraphik im digitalen Umfeld. In: Skriptum 1 (2011), Nr. 1, URN: urn:nbn:de:0289-2011051816 den Artikel zum 3D-Rundgang in St. Stephan (Mainz) von Anna Neovesky: St. Stephan virtuell – ein internetgestützter Panoramarundgang durch die Mainzer Stephanskirche – Entwicklung und Umsetzung eines Projektes im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften. In: Skriptum 2 (2012), Nr. 2, URN: urn:nbn:de:0289-2012110220 und auf den im Kontext des Projektes Inschriften im Bezugssystem des Raumes (IBR) entstandene Abschlussarbeit von Michael Haft: RDF als Verknüpfungsmethode zwischen geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten und Geometrien am Beispiel des Projektes „Inschriften im Bezugssystem des Raumes“, in: Skriptum 3 (2013), Nr. 2, URN: urn:nbn:de:0289-2013120622»
  7. Der Beitrag stellt einen Einzelaspekt aus Henses umfangreicher komparatischer Untersuchung der beiden Kompanien in seiner Staatsexamensarbeit von 2013 dar. »

Inhaltsverzeichnis


Creative Commons-Logo

Dieses Werk steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz (CC-BY-ND 3.0 DE).

CC-BY-Symbol

Namensnennung Sie müssen den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen.

CC-NC-Logo

Keine Bearbeitung erlaubt — Sie dürfen diesen Inhalt nicht bearbeiten, abwandeln oder in anderer Weise verändern.

Zum Zitationshinweis springen


PDF-Download


Kategorien

Epoche

Textgenre

Zitationshinweis:

Max Grüntgens, Dominik Kasper, Katharina Thielen: Vorwort der Herausgeber, in: Skriptum 4 (2014), Nr. 1, URN: urn:nbn:de:0289-2014051707, Abs. XY [Datum des Zugriffes].